Nürnberger heilen Schnupfen!

Urlaub mit dem elf Monate alten Kleinkind ist schon anstrengend. Und wenn dann noch eine fette Erkältung dazu kommt, herzlichen Glückwunsch. So auch bei uns – ob es am Temperatursturz lag (letzte Woche mittwochs noch 35°C, gestern Morgen noch ganze fünf), einmal zu dünn angezogen, einmal im Zug gesessen, jedenfalls lief mittwochs die Nase und das Köpfchen wurde heiß. Schlechte Laune und nachts einmal nicht geschlafen. Überhaupt nichts anzufangen mit dem Kollegen.

Und dann? Donnerstag Nachmittag drei Stunden gepennt, da wurde es schon etwas besser. Und beim Abendessen gab es dann Nürnberger, die kleinen Bratwürstchen. Elf Monate alte Kinder sollten doch noch nicht… und dann gleich so viel… und mit der Haut!?!?! Junge, Junge, so schnell konnte ich kaum nachschieben, hat der sich die Dinger rein gefahren, was jucken ihn auch Salz, Majoran oder Cholesterin! Drei Stück, abends dann noch ein paar Bäuerchen mit Geschmack und die Nacht ohne größere Probleme durchgeschlafen.

Nasentropfen, ratiopharm, Homöopathie, die können alle einpacken, ab jetzt gibt´s Worscht uff Krankeschoi!

Olympia Handball

Die deutsche Nationalmannschaft steht im Halbfinale gegen Frankreich. Insgesamt ordentlich bis sehr gut gespielt, ein Durchhänger gegen Brasilien, sonst souverän. Gestern Katar mit 12 Toren weg gehauen – wobei die in Halbzeit 2 auch völlig eingebrochen sind…

Und was liest man so in den sozialen Netzwerken? Gemecker. Nicht über die Mannschaft, die ist spätestens seit Januar sowieso über alle Zweifel erhaben. Nein, über das Fernsehen wird geschimpft. Dabei haben ARD und ZDF schon frühzeitig kommuniziert, dass Übertragungen nicht garantiert sind, wenn irgendwo anders Entscheidungen anstehen. Man könne es ja im Livestream verfolgen.
Und recht haben sie! Leute, das ist Olympia, ein Potpourri an Sportarten, keine EM oder WM. Und dass dann im Hauptprogramm eben auch mal anderes als Handball oder Fußball läuft, ist doch eine schöne Sache. Immerhin finden Sportarten wie Ringen oder Tischtennis im Fernsehen sonst praktisch überhaupt nicht mehr statt.

Also – ich find´s gut!

Das zweite große Reizthema ist immer noch die Mannschaft von Katar. “Söldner”, “keine Kataris dabei” blabla. Und dann bejubelt man die deutschen Tischtennisdamen… Nix gegen die Mädels, aber wenn zwei Frauen mit 19 bzw. 22 Jahren zum Tischtennisspielen nach Deutschland kommen und im Alter von 27 bzw. 29 Jahren die Staatsangehörigkeit von “VR China” zu “Deutschland” wechseln, dann ist das doch auch nichts anderes.
Selbst die deutschen Handballer haben sich in der Vergangenheit entsprechend “verstärkt” – Bogdan Wenta und Andrej Klimovets fallen einem da ein. Katar hat es eben auf die Spitze getrieben und hat im Olympiakader sieben eingebürgerte Spieler von insgesamt 14. Das entspricht 50%. Bei den deutschen Tischtennis-Damen sind es 66%…”Wettbewerbsverzerrung”? “Zusammengekaufte Spitzenmannschaft”? Lasst mal die Kirche im Dorf. Mist, fünf Euro ins Phrasenschwein. Um für eine andere Nationalmannschaft spielberechtigt zu sein, muss man drei Jahre international aussetzen. Wer macht das? Nur Leute, die aufgrund des Alters und/oder mangelnder Qualifikation im Heimatland sowieso nicht (mehr) zum Zug kommen. Und die müssen dann praktisch non-stop in Training als Nationalmannschaft. So konnten sie – mit zärtlicher Schiedsrichterunterstützung – bei der Heim-WM punkten. Aber für viel mehr als Mittelmaß kann das auch nicht reichen. Also lassen wir die Araber das Ölgeld ausgeben… die Titel werden immer noch unter den Topspielern verteilt.

Back in Germany

So, das erste deutsche Frühstück habe ich schon hinter mir. Rosinenbrötchen, Zungenblutwurst, Hähnchen in Aspik. Alles Sachen, auf die ich drei Wochen verzichtet habe – und der Verzicht hat sich erneut in einer Gewichtsabnahme ausgezahlt. Immerhin 2200 Gramm fehlten gestern auf der Waage! Liegen vermutlich im Flieger. Oder in der Brauerei, wo ich auch meine Jacke hab liegen lassen… Kleine Erinnerungsfetzen.

Samstag waren wir noch beim Rodeo. Nach dem großen Aufwand mit Planwagenrennen und Show am Vorabend war ich interessiert, wie das nun abläuft. Und wieder muss ich feststellen – die haben es drauf. Am Ende knapp drei Stunden Entertainment, von irgendwelchen Zwölfjährigen, die kleine Pferde und Stiere geritten haben. Dann Kälbchen fangen, mit Stieren ringen und Broncos mit und ohne Sattel reiten. Das meiste, was die Kerle auf den Pferden gemacht haben, sah für die Bandscheibe ziemlich schädlich aus!
Highlights waren für mich aber ganz klar die Königsdisziplin, das Bullenreiten, und das Barrelriding – die einzige Frauendisziplin an diesem testosterongeschwängerten Nachmittag. Die Bullen waren richtige Klötzer und gingen auch mächtig voran. Manch einer war schneller auf dem Boden, als er dachte. Und im Gegensatz zu den Rindern bei den vorigen Disziplinen blieben die Bullen auch weiterhin auf aggro gebürstet. Man sah schon deutlich, wie die Reiter in der Arena nur vorsichtig versuchten, sie zu ihrem vorgesehen Ausgang zu bewegen.

Beim Barrel Riding geht es simpel darum, drei Tonnen in Bestzeit zu umrunden. Man könnte jetzt lang und breit darüber diskutieren, wieso man der zarten Weiblichkeit nicht zutraut, auch andere Rodeodisziplinen zu absolvieren. Vor allem, da auch in Calgary Frauen im Cowgirl-Outfit rumlaufen, die alles sind, nur nicht “zart”… Aber wie dem auch immer. Cool anzuschauen in jedem Fall. Die ersten Zeiten liegen knapp über 18 Sekunden, plötzlich wird die Menge aber wild. Der Stadionsprecher erzählt was von “she´s a mother, she´s a grandmother” und das Porträt auf der Leinwand sieht auch schon ziemlich verlebt aus. Und dann legt die Oma da einen Superritt hin und lässt den Rest der jungen Dinger einfach stehen – 17,72 Sekunden. Die Zweite an diesem Tag liegt 14 Hundertstel dahinter.

Einschub – ich hab nach “Omi” Mary Burger dann natürlich später gegoogelt: Jahrgang 1948, 1974 erstmals Weltmeisterin bei den Amateuren. Und dieses Jahr zumindest mal die ersten VIER Rennen (also Freitag, Samstag, Sonntag und Montag) bei der Stampede gewonnen. Gegen Frauen, die mindestens ihre Töchter, eher sogar die Enkelinnen sein könnten. Wer rastet, der rostet. RESPEKT!

Als Lückenfüller zwischen den einzelnen Disziplinen gab es – natürlich – auch wieder Musik. Erst eine kleine Marching Band mit brennenden Gitarren und Trompeten. Sind doch einfach Pyromanen, die Albertans! Und dann noch die “Calgary Stampede Showband”, mehrfache Weltmeister. Mit Musik und Tanz verkürzten sie die Pausen sehr gekonnt. Also Rauschmeißer nach dem eigentlichen Rodeo gab es noch eine Disziplin: “Ponydressur”. Drei kleine Jungs pro Team sollten ein ziemlich wildes Pony bändigen und darauf reiten. In fünf von sechs Fällen gewann das Pony…

Doch die Stampede ist nichts ohne Futter. Schon auf dem Weg hinein hab es gratis Proben – Gummibärchen(!), Mountain Dew (Kickstart Black Cherry – mit Koffein und verdammt viel Vitamin BASF) und ein kleiner Brownie. Und nach dem Rodeo noch ein Truthahnbein. Wie groß so ein Truthahnbein ist? Ich will es mal so sagen – ich hab in Deutschland schon Schweinehaxe gesehen, die kleiner war…
Leider hat das Wegspachteln ein bisschen zu lange gedauert. Schon gegen Ende des Rodeos kam der erste Schauer, Ponydressur und Siegerehrung fanden schon mit Regencapes statt. Hah, und ich hab die Plätze unterm Dach gebucht! Beim Essen war es dann wieder trocken, so dass wir uns entschieden, auch zum Hotel zurück zu laufen. Der CTrain vom Vorabend war doch zu ätzend und ein bisschen Bewegung vor dem langen Flugtag hat ja auch noch keinem geschadet. Super Idee. Erste Tropfen nahm man noch nicht ernst, doch auf dem zweiten Kilometer wurde daraus ein echter Wolkenbruch mit Starkregen, Blitz und Donner. Und wann hört der auf? Genau, wenn man endlich das Vordach des Hotel erreicht. Immerhin hat mich mein Hut teilweise trocken gehalten, das T-Shirt meines Vaters war an den Schultern komplett durchgeweicht…

Der Rest des Abends war Kofferpacken und noch ein wenig Fotos sortieren. Und dann versuchen zu schlafen… Blieb beim Versuch.

Der Rückflug zog sich. Erst einmal ein harter Flug von Calgary nach Vancouver, da wurde ich ordentlich durchgeschüttelt und war vermutlich schon ziemlich grün, als wir endlich aufsetzten. Fühlte sich zwischendurch mehr wie ein alter Fahrstuhl an als ein Flugzeug. Aber gut, noch zwei Stunden Aufenthalt in Vancouver, von denen wir die ersten 20 Minuten mit einem Spaziergang vom Ankunfts- zum Abfluggate verstreichen ließen, dann geht endlich die Condor nach Hause. Leider diesmal ohne Upgrade, also auch ohne Nickerchen für mich. War hart. Aber immerhin war das Essen absolut ok, wenn auch nicht ganz so exquisit wie ein paar Reihen weiter vorne. Irgendwann mitten im Flug gab es dafür einen tollen Sonnenauf- oder untergang zu sehen, da wir uns im Bereich der Mitternachtssonne bewegten. Und nach der “Nacht” gab es Kaffee und Sonnenschein von draußen, da sah die Welt schon fast wieder gut aus.
Der Rest ist schnell erzählt. Landung mit fünf Minuten Verspätung in Frankfurt auf der Nordbahn, eine letzte Flughafenrundfahrt, und eine Stunde nach dem Aufsetzen saß ich vor dem Terminal im Taxi. Automatische Einreise am Automaten (leider ohne Stempel), Koffer kamen auch sehr schnell, ab durch das grüne Gate am Zoll und fertig. Alles locker gelaufen.

Drei Wochen Kanada – ein schnelles erstes Fazit? Gar nicht so leicht. Ich würde sagen “Zielerreichung 66%”. Zum einen hat uns das Wetter in Vancouver einen Strich durch die Planung gemacht, sodass wir einiges nicht angehen konnten bzw. wollten. Zum anderen waren gerade bei den Museen einige Ausfälle dabei. Highlights waren auf jeden Fall die Stampede, klar, aber auch die beiden “Wanderungen” zum Big Head Mountain und in East Sooke. Und das Frühstück am Okanagan mit Blick über den ganzen See…

Wiederholung? Auf jeden Fall. Nicht nächstes Jahr, und auch nicht übernächstes. Aber irgendwann ganz bestimmt!

Cowboys überall

So. Deutschland hat vorgestern nicht gewonnen. Aber das ist auch das einzige, was ich heute Vormittag Schlechtes über die letzten beiden Tage sagen kann. Der Rest war “AWESOME!”

Nach dem Spiel ging es in Richtung Stampede Park. Mein Groß-Groß-wasweißich-Cousin Chris hatte uns eingeladen, die Generalprobe für die große Abendshow bei einem Dinner anzuschauen. Ok, mal schauen, was das ist. Die Loge vom Rotary Club Calgary. Ach so? Auch wenn ich mit meinen Klamotten nicht direkt aufgefallen bin, irgendwie… doch! Vor allem, da Chris wirklich jeden zu kennen schien, so dürfte sich die Anwesenheit der Gäste aus Übersee schon rum gesprochen haben, bevor wir bei der Begrüßungsrede des Vorsitzenden noch mal extra erwähnt wurden.
Bei der Schlange für das große Buffet wurde mein Vater dann auch gleich ins Gespräch verwickelt, hätte nicht vermutet, dass er sich so entspannt mit Rotariern über Brexit und Merkel unterhalten würde! Das Buffet war schon richtig groß, diverse Fleisch- und Salatsorten, ich bin zwei Mal hingegangen… dazu muss aber gesagt sein, dass ich mir den Teller nicht schon beim ersten Mal voll geschaufelt habe bis zum Anschlag. Woran ich mich noch erinnern kann:

  • Asia-Nudelsalat, griechischer Salat, Nudelsalat mit Oktopus, grüner Salat
  • Grillgemüse und Rosmarinkartoffeln, Rohkost (Staudensellerie – bäääähhh!)
  • frisch aufgeschnittenes Roastbeef, indisches Hühnchen (Masala?), trockene Spareribs (fast ohne Fleisch), Lachs im Blätterteig
  • Schokoladenkuchen, Eis mit Minidonuts, Vanillemousse im Schokoladentopf

Bei dem Vanillemousse wurde ich von meinen Tischnachbarn darauf hingewiesen, dass man die Verpackung auch essen kann. Peinlich, hätte ich beinahe Schokolade übersehen… Zu trinken gab es Dosenbier (kein frisch gezapftes) und standesgemäß eine üppige Weinkarte. Nach einem Blick auf die Preise bin ich dann mal beim Bier geblieben. Zwar hat uns Chris großzügigerweise eingeladen, aber irgendwie hab ich dann doch Hemmungen bei so was. Selbst eine Flasche “Hauswein” (Pinot Noir) stand mit fünfzig Dollar in der Liste…

Nach dem Essen sind wir vom Esstisch in den Bereich der Loge mit Blick auf die Bühne umgezogen. Direkt erste Reihe an der Glasscheibe. Dann begann die Ablaufprobe – erst mal die Nationalhymne, natürlich live gesungen und mit Marching Band. Und die ganze Loge sang inbrünstig mit. Wieder, muss man sagen, denn vor der Eröffnung des Buffets gab´s das schon mal im kleinen Kreis. Nationalhymne und Gebet. Wobei das Mädel auf der Bühne besser gesungen hat als der Rotarier.
Nach einer langatmigen Vorstellung der Honoratioren und wer so alles gespendet hat und und und ging dann die Show los. Eine Mischung aus Revueelementen, die mit Gesang und Tanz die verschiedenen Epochen der Stampede wiederspiegelten (von 20er Jahre Outfits bis “Purple Rain” und irgendwas, das nach Justin Bieber klang), und Akrobatikvorführungen.

  • Die Ukrainerin auf der dünnen Slackline – verdammt beweglich und gut koordiniert
  • eine Akrobatin, die in der Luft über die Bühne flog an Drähten – nicht wirklich neu, aber im Freien und der Höhe hatte ich das noch nicht gesehen
  • sechs Jungs und ein Mädel, zwei Trampoline und dazwischen ein offener Kasten, tolle Show, wirklich beeindruckend, mit welchem Timing die ihre Sprünge da abgezogen haben
  • Wettkampf zweier Ölbohrteams, wer am schnellsten eine 50 Meter lange Leitung verlegen kann – Alberta ist eben Ölbohrland
  • Seiltänzer oberhalb der Bühne, nicht wirklich spektakulär, fünfzig Meter hin – oh, und bei den 50 Metern retour haben sie unter dem Seil gezündelt, da wurde es doch schon heißer
  • Motoradsprungshow – immer wieder geil anzusehen, die älteren Zuschauer in der Loge waren komplett aus dem Häuschen

Am Ende der Show, untermalt mit einer Schlußchoreographie auf der Bühne, startete das Feuerwerk. Über fünf Minuten lang und einfach nur WOW! DANKE CHRIS.
Und das Beste daran – wir konnten die komplette Show am Freitag noch mal sehen, weil ich schon Tickets gekauft hatte…

Freitag morgens noch etwas unmotiviert, die Nacht war doch lang gewesen. Draußen ist die Eröffnungsparade der Stampede, doch wir haben die faul im Hotelzimmer angeschaut… Doch dann noch aufgerafft und zum Heritage Park gefahren. Ein Freilichtmuseum, dass die Entwicklung Calgarys von einem kleinen Fort an einer Flussmündung bis in die 20er Jahre darstellen soll. Mit einem Dampfzug, einem Schaufelraddampfer auf dem “Glenmore Reservoir”, einem kleinen Jahrmarkt für die Kinder, einer kleinen Farm wie bei den Waltons, Fort und Indianerzelte und einer schönen Autoausstellung. Wirklich sehr schön gemacht und dank vieler authentisch gekleideter Angestellter auch lebendig. Der Park steht in jedem Reiseführer als Must-Have und ich denke, zu Recht.

Aber jetzt wieder zur Stampede. Eigentlich dachte ich, das wäre halt eine Show mit Rodeo und Cowboys. Bisschen naiv. Ein wirklich großer Rummelplatz, etwa die Größe vom Hamburger Dom, dazu noch große Ausstellungen aus dem Agrarbereich (Pferde, Schafe, Hühner, Schweine) und Fressstände in allen Größen und Sorten. Fritierte Oreo-Kekse, Footlong Bacon Wraped Pizza Dogs, ein Riesenbarbecue von fünf der besten BBQ-Grills der Stadt. Dazu noch diverse Vorführungen den ganzen Tag über. Dazu abends noch Auftritte namhafter Musik-Acts. Wirklich eine Riesensache. “Wie der Hessentag – aber in 3XL und mit Cowboys”.

19:45 soll die Show schon losgehen, aber die Bühne steht noch rechts, außerhalb der Pferderennbahn. Der alte Mann neben mir hatte es gleich durchschaut – Chuckwaggonrace! Vier vierspännige Planwagen müssen bei Start und Ziel erst einen Achter um zwei Tonnen fahren, dann geht´s einmal die Runde ums Oval und der Schnellste hat nicht immer gewonnen. Es gibt irgendwie Strafsekunden, wenn man eine der Tonnen umfährt, wenn man die Ladung (ein “Stone” aus Plastik, der beim Start hinten in den Wagen geworfen wird) verliert oder wenn die beiden Begleitreiter am Ziel nicht nahe genug hinter dem Wagen sind. Kickifatz! Wenn da vier Wagen losbrettern, die Hufe über den Sand donnern, das ist der Hammer. Und immerhin geht es für die Fahrer auch um echtes Geld. Jeden Abend neun Rennen, insgesamt 36 Gespanne, und am Ende werden 1,1 Millionen Dollar Preisgelder ausgeschüttet. Und beim Versteigern der Werbeplätze auf den Planen der Wagen kamen letztes Jahr wohl auch ein paar Millionen zusammen. Neun Rennen, unterbrochen von kleinen Spielchen auf der Bühne, wenn die Bahn neu präpariert wurde, super Sache. Immerhin kamen die langsamsten Wagen nach 1,18 Minuten durch Start und Ziel.

Nach dem neunten Rennen eine gute halbe Stunde Umbaupause, dann stand auch die Bühne am richtigen Platz und wir konnten noch mal die Show vom Vorabend bewundern. Die Teile mit den “Young Canadians” waren wieder teilweise etwas zu sweet für meinen Geschmack, aber die Trampolinnummer und die Motorradsprüngen waren wieder klasse. Und zum Abschluss noch mal das Feuerwerk. TOLL TOLL TOLL.
Zurück in die Stadt dann per CTrain, wieder mit den ollen Wagen der Siemens-Düwag, mindestens 25 Jahre alt. Der selbe Typ “U2” ist bei der Frankfurter U-Bahn 2016 ausgemustert worden… Und wie man es aus Frankfurt zur Rushhour kennt, voll gestopft bis oben hin. Ein Glück konnten wir nach drei Stationen wieder raus und die letzten Meter zum Hotel laufen.

Am heutigen Samstag geht es noch mal zur Stampede. Tickets für das mittägliche Rodeo, noch eine Runde über das Gelände schlendern, Häppchen essen. Und dann wird es traurig, Koffer packen, morgen Nachmittag geht schon der Flieger nach Hause. Muss das sein???

PS: Und einen Hut hab ich mir gekauft, zwar nur aus Mesh (diesem netzartigen Plastik, wie es auch als Luftgitter in Sportschuhen ist), aber immerhin in schwarz und irre kleidsam 😉

Militär und Bier – Supermischung

Nachtrag: Dienstag Abend gab es noch ein kleines Steak. Nein, nicht von Danone, sondern vom Rindviech. Dazu ein Ofenkartoffel und ein paar Pilze. Insgesamt deutlich leckerer als so ein Fruchtzwerg. Dazu mal nur eine Cola. Sehr gemütlich, am Ende kam sogar die Sonne mal raus. Und auf der Stephen Avenue kann man auch wieder prima die Leute beobachten. Touristen, die letzten, die aus dem Büroschlaf erwacht sind, Penner, die dein Kleingeld haben wollen – alles dabei.
Die Cola war übrigens keine gute Idee, bin erst um halb eins eingeschlafen… auf Bier schlaf ich erheblich besser 😉

Die Zeit verrinnt jetzt immer schneller, schon Mittwoch, bis Sonntag sind es nur noch ein paar Stündchen. Gefühlt. Also heute mal Gas geben? Na ja, diese blöde Euro kann es einem schon versauen… Ich gehe nur mal kurz raus vormittags, noch ein paar Andenken kaufen. Hoffentlich passt dass am Sonntag noch alles in den Koffer rein! Immer dieser Kaufrausch. Was man nicht alles einpacken könnte, wenn man nicht an den einen Koffer gebunden wäre… es muss ja nicht gleich ein ganzer Totempfahl mit 2,50 Meter Höhe sein, aber es gibt schon tolle Sachen. Und hier noch eine Jacke, da noch zwei Hemden, und vielleicht was Dekoratives für die Wand im Western- oder First Nations-Stil? Und nach Hause schicken lassen ist auch nicht so einfach, Zoll und gerade aus Kanada enorme Versandkosten…

Ronaldo köpft Portugal ins Finale, na gut. Hätte man sich fast nicht anschauen brauchen, nach dem 2:0 sind wir auch aufgebrochen. Das hiesige Militärmuseum steht auf dem Plan. Und jawohl, für 10 Dollar pro Person kriegt man hier einiges geboten. In zwei Sheltern stehen eine CF-86 Sabre, eine CF-104 Starfighter und eine CF-18 Hornet. Die Ausstellung drum herum dreht sich um den Kalten Krieg, in dem die kanadische Luftwaffe diese drei Typen eingesetzt hat. Den Starfighter sogar als potentiellen Atombomber… Viel drehte sich damals aber um Aufklärung und Patrouillen. Zum Glück!

Im Außengelände sind diverse Panzertypen aufgestellt, die ebenfalls aus kanadischen Armeebeständen stammen. Churchill Mk VIII, Centurion III, Sherman, ein Radpanzer “Cougar” und ein Abrams im gelben Wüstenoutfit. Nur, was der T-34 hier machte, konnte ich nicht nach vollziehen… Aber als Panzerfreund auf jeden Fall mal cool, die Dinger so in echt zu sehen. Auch wenn sie schon etwas rostig da rumstanden.

Im eigentlichen Museum dann zwei Ausstellungen zur Entwicklung der kanadischen Marine und Luftwaffe, etwas kleiner ausgefallen, aber dennoch mit beeindruckenden Originalen – vor allem die KLEINEN Geschütztürme sind schon heftig. Doppelturm 4-Zoll, also auf Schlachtschiffen eher was für die Flugabwehr und gegen kleine Ziele – schon ein echter Koffer… Und mit den Wasserbombenwerfern möchte man auch nicht fangen spielen.
Calgary hatte insgesamt mal vier Regimenter Infanterie und “Cavallery” (inzwischen fahren die Panzer), jedem ist eine eigene Ausstellung gewidmet. Von der jeweiligen Gründung über die Einsätze in WK I und II, Korea, UN-Einsätze. Und am Ende kommen alle Dioramen in Afghanistan an.
Überhaupt stehen die Kanadier scheinbar auf lebensgroße Dioramen, mit viel Liebe zum Detail wird da das Leben zum Beispiel im Unterstand des Grabenkriegs gezeigt, auch mit passender Beleuchtung und Geräuschkulisse. Wenn man durch ein paar Meter Graben geht, da Licht gedimmt und es knallt, zieht man unwillkürlich den Kopf ein.
Gut zwei Stunden im Museum, hätte auch noch länger sein können, aber die Filme auf Englisch zu schauen ist schon anstrengend. Wenn man sich die alle reinzieht, gehen sicher auch 4-5 Stunden. Wer hier mal herkommt und sich für Militär interessiert, sollte sich das Museum auf jeden Fall anschauen.

Abendessen… quasi ums Eck vom Museum ist eine kleine Brauerei. Meint Google Maps. Wobei unser Navi massiv ins Schlingern kommt, weil genau an der Abfahrt mächtig gebaut wird und diverse Straßen gesperrt sind. Ätzend, schon die Fahrt ins Museum war ein Suchspiel, doch die Brauerei war noch schwieriger zu finden. An einem Schild “Privatbesitz” vorbei, über ein Schlaglochpiste und an zahllosen Schulbussen vorbei auf der Rückseite einer Wellblechbaracke. Schon etwas merkwürdig, aber letztlich ist da ein gut gefüllter Parkplatz und ein Leuchtschild “Open”, also sind wir wohl doch richtig.
Durch die Tür gekommen ein tolles Bild, eben eine echte Kneipe. Zwei lange Tischreihen mit Stühlen, ein paar Vierertische und ein paar hohe Bistrotische. Dazu ein langer Tresen mit Barhockern. Hinter dem Tresen beginnt gleich die eigentliche Brauerei. Die Wände mit zahllosen Bierflaschen und Bilder und Blechschildern dekoriert. Einfach urig. Und vom Publikum her hat es wohl auch nicht viele Touristen, die sich hierhin verirren. Ich frag mich auch die ganze Zeit schon, wie ich hierher gefunden habe? Bei Tripadvisor gibt´s da nicht mal einen Eintrag dazu… Egal, das Bier ist gut, das Essen auch und die Stimmung top.

Endlich mal ein Tag, der nach Plan verlief 😉 Jetzt muss morgen nur noch Deutschland gegen Frankreich gewinnen, dann ist alles gut!