Musik, mal so, mal so

Bisschen Musik hören war ich im Mai. Ziemlich unterschiedliche Konzerte, wenn man sie direkt vergleicht.

Das erste Konzert: Melanie Dekker, Mampf
Das Mampf ist eine superkleine Klitsche in einer Seitengasse der Berger Straße. Mit gut dreißig Gästen war der Laden  schon überfüllt. Melanie Dekker kommt aus Vancouver, hat holländische Wurzeln und singt Country-Folk.
Als ich mit meinem Kumpel ankam, waren noch Sitzplätze frei. Eigentlich waren nur zwei andere Gäste da zu dem Zeitpunkt und wir waren schon sehr verwundert. Dafür war Melanie mit ihrer Begleitband noch am Proben. Aufgrund der kleinen Bühne setzte sie sich einfach auf das alte Klavier neben der Bühne, vermutlich hatte sie so den besten Überblick an diesem Abend.
Ab acht fing sie dann auch an zu spielen, schönen Pop, mit ein bisschen Schlagzeug und Keyboard unterlegt. Und es ging, mit einer kleiner Pause, bis halb elf. Gute handgemachte Musik, schöne Stimme, und im proppevollen Jazzschuppen wurde es kuschelig warm.

Für fünf Euro “Kulturabgabe” ein absolut faires Konzert. Auch das Drumherum passte. Bier, Schnaps, Fleischwurst mit Bratkartoffeln, so kann man einen Abend in Frankfurt wirklich gut verbringen.

Die zweite Runde nur ein paar Tage später, doch unter gänzlich anderen Vorzeichen. Traditional Jazz statt Folk-Pop, Alte Oper statt Kneipe, Platzkarten statt “sucht euch was aus”, Laugenbrezel statt Fleischwurst. Und auch das Publikum war eher nach Oper angezogen als nach “Abhängen mit Mukke”. Mit meinen 40 Jahren habe ich den Altersschnitt vermutlich deutlich gesenkt.
Großes Orchester auf der Bühne, in der erste Hälfte komplett ohne Gesang. Das hat was von E-Musik, für meine Ohren. Auf jeden Fall eine gute Performance, die die alten Leute da auf der Bühne so abliefern, ein bisschen was zum Mitwippen. Aber zu weit weg von meiner normalen Musikgewohnheit, um mich vom Stuhl zu kloppen. Dabei hat die Barrelhouse Jazz Band einen ausgezeichneten Ruf in der Szene.
Nach der Pause kam dann Souther Spirit, Südstaaten Blues, mit viel mehr Dampf und einer kratzigen lauten Röhre des Bandleaders Christian Willisohn. Deutlich mehr nach meinem Geschmack. Gegen Ende gipfelte es in einer Jam-Session beider Bands, da war dann richtig Stimmung in der spießigen Bude.

Hafengeburtstag DCCCXXVIII

Der alte Lateiner weiß nun, dass sich Hamburg nun schon seit über achthundert Jahren Hafenstadt nennt. Ich habe allerdings nicht alle Parties mitgefeiert. Dieses Jahr aber mal schon.

Was konnte man nicht alles erleben diesmal. Die Einlaufparade bei kühlen 8°C am Freitag Nachmittag, das große Feuerwerk am Samstag Abend bei lauschigen 16 Grad, Labskaus, Fischbrötchen und gebrannte Mandeln, leere und voll gestopfte U-Bahnen, Guildo Horn und arabischen Hiphop. Wirklich, Hamburg bietet für jeden Geschmack etwas.

Der Reihe nach… Der ICE war schnell und leidlich pünktlich, der erste Eindruck am Bahnhof Dammtor war “kalt und Regen”. Als Unterkunft hatte ich uns wieder das Radisson direkt am Bahnhof rausgesucht, “Business Class”-Zimmer mit 20% Rabatt bei Expedia. Kann man machen – großes Zimmer, Badewanne(!) und ein toller Ausblick aus der 17. Etage in Richtung Rothenbaum und Außenalster. Nach kurzem Test der Badewanne ab zur U-Bahn, zum Hafen, zur Großen Freiheit. Der Regen hat netterweise aufgehört und ward auch bis zur Heimfahrt nicht mehr gesehen. An den Landungsbrücken war kaum was los, freitags um fünf, noch sehr kühl, da bleibt der Hamburger wohl lieber noch zu Hause. Die Einlaufparade war gut gemischt, viele Traditionssegler aus den Niederlanden, zwei russische Großsegler (“Mir” und “Kruzhenstern”), ein paar Kriegs- und Polizeischiffe, dazu noch ein paar Dampfer.
Bis zu unserem Abendessen am Fischmarkt war noch ein bisschen Zeit, da kommt doch eine Fischbude auf dem Rummel genau richtig. Fischbrötchen, Bismarkhering, was soll da schon schief gehen?! Einiges… 3,50 Euro ist schon eine Ansage, aber ok, ist ja Jahrmarkt, Touribums. Aber auf das Brötchen EIN Heringsfilet zu packen, das war schon eine Frechheit. Eigentlich war es ein halbes belegtes Brötchen und ein halbes trockenes Brötchen.
Jetzt noch ein ausgiebiger Spaziergang über die “Hafenmeile” und dann hinter zum Fischmarkt. Und die Buden hören einfach nicht auf. Hinter den Landungsbrücken, im Bereich der Hafenstraße, wird es dann alternativ. Veganes Futter, Bier, Bier und Bier. Und in der Luft auch ein paar “Kräutermischungen”. Punk ist nicht tot, ein bisschen Schwarzafrika, arabische Klänge, Cocktails. Ganz anders als der klassische Rummel zwischen Überseebrücke und Landungsbrücken.

Direkt am Fischmarkt hat REWE seinen kleinen Vergnügungspark aufgebaut. Auf der Bühne macht eine ABBA-Coverband Soundcheck, majestätisch gleitet die AIDAvita die Elbe hinab und der Moderator haut noch den Knüller raus. Guildo Horn. Auf dieser Bühne. Vor mindestens 50 Zuschauern und 30 Tauben. Sensationell. Schnitt. Restaurant.

“Alt Helgoländer Fischstuben”. Sehr gemütlich eingerichtet, äußerst beliebt. Man sollte reservieren, sonst gibt´s ein nordisch kühles “haben sie reserviert? Nicht? Dann nicht” zu hören. Wir hatten einen Tisch für uns, Bier und Fisch war lecker. Wenn auch die Scholle so am Stück etwas umständlich war. Mit Haut und Gräten hat der Binnenländer doch selten zu tun. Zur Vorspeise habe ich Labskaus bestellt und kann sagen: muss ich nicht haben, aber ist nicht annähernd so eklig, wie man immer wieder liest. Klar, sieht aus wie schon mal gegessen, aber “Beef Tatar” sieht auch nicht viel anders aus. Noch einen Kümmel obendrauf und Richtung Heimat. Verabschiedet vom Horn persönlich, der uns verzweifelt sein “ich hab euch alle lieb, wisst ihr das” hinterher rief. Oh mein Gott, gib Gas, Taxifahrer!!!

Der Samstag beginnt entspannt, ein gutes Frühstück und eine weitere Fahrt in den Hafen. Buden angucken, scheinbar ist Frankreich irgendwie Gastland. Und wo man auch an der Nordsee überall Urlaub machen kann. Und die Ostsee. Und die Lüneburger Heide. Verrückt. Mittagessen auf den Landungsbrücken im “Captains Dinner”, lecker Pannfisch. Mittagsruhe. Ist auch wichtig. Wieder zum Hafen, sogar mit viel Sonne und Wärme. Und einer ordentlichen Rindswurst im Brötchen. Auch dreifuffzich, aber viel mehr Nährwert als dieses fischlose Fischbrötchen.
Nun endlich ab aufs Wasser. Zum Feuerwerk haben wir uns eins der Fahrgastschiffe ausgesucht, bisschen was trinken, bisschen Gesabbel über Hafen und Umgebung (vor allem, welche überteuerten Riesenjachten und Leyen-Fregatten bei Blohm+Voss im Dock liegen) und um halb elf das große Feuerwerk gegenüber den Landungbrücken. Unser Eimer ging in Parkposition auf Höhe der Elbphilharmonie – die übrigens wirklich fertig ist und ohne Baukräne komisch aussieht – weil die AIDAPrima den besten Platz vor den Landungsbrücken belegte. Die Lightshow, die das Schiff alleine schon veranstalten kann, war beeindruckend. Dürfte aber auf hoher See sonst niemand interessieren 😉

Die Rückfahrt zum Hotel war dann noch ein kleines Abenteuer. Auf eine gute halbe Stunde Fußmarsch nachts um halb elf hatte ich keine Lust. Auch weil die drei Tüten gebrannte Nüsse schwer wogen. Also U-Bahn. Am Baumwall Richtung Innenstadt ziemlich illusorisch, die Züge kamen aus Richtung Landungsbrücken schon im Sardinendosen-Modus an. Die Zugänge abgesperrt, die Türsteher ließen nur kleine Gruppen auf den Bahnsteig. Also in die andere Richtung fahren, quasi “hinnerum ins Auge”. Zumindest kamen wie viel schneller in eine Bahn, ein paar Stationen war es da auch sehr sehr voll. Aber hinter der Sternschanze wurde es erträglich, sogar mit Sitzplatz. Und nach dem Umstieg Richtung Stephansplatz ein Traum. Zwar ein Wagen aus dem letzten Jahrtausend, aber – LEER. Und zwar wirklich leer. So ging der Abend doch noch ruhig aus.

Auf der Rückfahrt nach Hofheim gab es noch ein Highlight. Wir hatten eigentlich ICE gebucht. Aufgrund einer Bombenentschärfung in Hannover fiel der aber aus, also buchten wir auf einen Intercity um. Eine Stunde längere Fahrtzeit, aber immerhin ohne Halt bis Frankfurt. Der Wagen aus den Siebziger/Achziger Jahren. Die Einstiegstür noch mit Türgriff. Nichts mit Druckknopf und Automatiktüren, auch innen nicht. Abteil, plüschige rosa-rote Polster mit Nackenkissen in Türkis. Holzfurnier an den Wänden. Die Türschwellen noch aus Holz, Lüftungsgitter und Gepäckablage aus Messing. Flashback. Aber die Sitze waren sehr bequem, die Sitznachbarn im Abteil ruhig, ab Marburg oder Gießen war auch der Regen wieder da.

Fazit: mal wieder zu viel gelaufen, zu wenig geschlafen und viel viel gesehen. Tschüß, Hamburg!

 

Krebshilfe – alle Jahre wieder schön

Jedes Jahr wieder freue ich mich Anfang Dezember auf die Auktionen von Handball hilft!, einer Aktion der Handballvereine und -verbände zugunsten der Deutschen Krebshilfe. 2015 hatte ich mal ausgesetzt, da gab es Wichtigeres, aber 2016 war ich wieder dabei. Eigentlich wollte ich ja zum VIP-Erlebnis bei den Rhein-Neckar Löwen (Catering, VIP-Plätze und ein Meet&Greet mit einem Spieler nach Wahl), aber das Ding ging mit über 600 Euro doch ein bisschen zu weit.

Aber man hat ja immer noch einen Plan B. Hüttenberg. Aufsteiger in die zweite Liga. Liegt hinterm Taunus in der mittelhessischen Handballecke, Dutenhofen/Münchholzhausen aka HSG Wetzlar, Lützellinden, da kommt einiges zusammen.
Auch hier VIP-Tickets und Catering. Aber für deutlich weniger als im Kraichgau, dafür gibt es sogar noch ein Trikot mit Wunschbeflockung. Schon vor drei Jahren hatte ich das gleiche Paket mal ersteigert, daher wusste ich – das taugt!
Ein paar Emails noch hin und her, von wegen Wunschtermin und Trikotgröße (danke noch mal, dass ihr das Trikot in 3XL besorgt habt!), dann konnte die Party steigen.

Lief alles gut, VIP-Bändchen ans Handgelenk und ab zum Catering. Sehr sympatisch, wenn direkt am Eingang schon Sekt und Bier bereit steht. Das Essen ist auch wieder lecker, wenn auch diesmal nicht die Schlachtplatte da war. Immerhin gab es Handkäs und Schweinebraten – mit solchen handfesten Sponsoren kann man was anfangen.
Das Spiel war auch hoch spannend. Lustigerweise dieselbe Paarung wie vor drei Jahren, der Gegner waren wieder die “Eulen” aus Ludwigshafen-Friesenheim. Diesmal hatten die Hüttenberger aber mehr Glück, am Ende stand ein gerechtes 26:26 auf der Anzeigetafel. Wenn der Gegner am Ende noch einen direkten Freiwurf nach Abpfiff hat, kann man sich doch glücklich schätzen. So geht es weiter in Richtung 1. Liga für die Hüttenberger.

Nach dem Spiel gab es noch ein alkoholfreies Licher Weizenbier (noch ein lokaler Sponsor) und die obligatorische Pressekonferenz. Noch ein Häppchen auf den Weg, dann fuhren wir wieder heim. Vielleicht bis nächstes Jahr gegen die Löwen?

Wobei die Halle in Hüttenberg, wie ich so lesen muss, keine Freigabe für die 1. Liga bekommt. Zu klein mit ~1500, die Liga lässt nur Hallen mit 2000+ Plätzen zu. Was ein Quatsch.

London, Stadt der U-Bahn

Letztes Wochenende habe ich meiner Sammlung eine weitere Hauptstadt hinzu gefügt. Nach Berlin, Luxemburg und Paris war die britische Hauptstadt mein Reiseziel, denn das C2C-Festival findet nur auf der Insel statt. Dabei kommen diverse Größen der Nashville-Szene für drei Tage über den Teich und spielen abwechselnd in London, Dublin und Glasgow. Ich hatte mir eine Karte für den Freitag besorgt, da sollte Brad Pasley auftreten, von dem ziemlich alle CDs in meinem Schrank stehen. Über mein Lieblingsreisebüro wurden Flug, Hotel und ein bisschen drum herum gebucht und dann gewartet…

Freitag zum Flieger, das geht seit ein paar Monaten mit dem “Expressbus” direkt ab Hofheim Bahnhof in einer knappen halben Stunde. Käffchen, dann durch die Sicherheitsschleuse (ohne Beanstandung, dazu komme ich noch) und mit dem spärlichen Gepäck am Gate warten. Boarding ging gut, Sitzplatz war ok, Verspätung nur beim Start, die Landung war pünktlich. Über das belegte Brot bei der Lufthansa breiten wir mal den Mantel des Schweigens, dafür war das Personal wirklich freundlich.
In London angekommen war es wieder erwarten trocken, durch den Ausgang zum Heathrow Express geflitzt und zum Bahnhof Paddington. Den Namen kennt man ja, Miss Marple und so! Ist aber auch “nur” ein großer Bahnhof. Mit reichlich Baustelle, so daß der Weg zur U-Bahn ein bisschen zum Suchspiel wurde. Und dann war es doch die falsche Linie. Also noch mal umsteigen, bis die… Moment… Circle Line, ja die ist richtig. Tower Hill. Aus dem Bahnhof raus und schon steht man vor dem berühmten Tower of London. Größer als ich dachte. Normalerweise sieht man nur das kleine Gebäude mit den vier Türmchen in der Mitte, aber da ist noch eine ganze Festungsanlage drum herum. Auf dem Weg zum Hotel konnte ich auch noch einen Blick auf die Tower Bridge erhaschen, auch sehr groß.
Hotel eingecheckt, der Blick geht vom Zimmer direkt auf die Brücke, sehr geil. Bett bequem, in den Schränken Platz genug für den Inhalt meines kleinen Koffers. Aber jetzt hält es mich hier nicht länger, die Musik ruft, das Konzert. Laut Google Maps sollte die U-Bahn nur über die Brücke sein, dann links. Alles easy. Wenn es in London nur eine Brücke gäbe… Kleines Orientierungsmalleur. Führt zu mehr Fußmarsch. Durch London. Aber nach ein paar Meter und Unterstützung netter Einheimischer fand ich noch die U-Bahn-Station “Bermondsey”, drei Stationen weiter konnte ich aus der Sardinenbüchse wieder raus. Die O2-Arena. Eine riesige Anlage, und ich kenne ja schon einige große Hallen in Deutschland. Hier ist über eine Arena für 20.000 Zuschauer noch eine Kuppel gestellt, die um die Halle herum noch eine sehr große überdachte Fläche überspannt. Mit reichlich fest installierten Restaurants, Geschäften – und einer großen Baustelle. Man gewöhnt sich langsam daran. Schnell noch die Vorräte aufgefüllt mit einer Cola und einem Brötchen mit Bockwurst (nein, so was ist KEIN Hot-Dog!) und dann in die Halle, Platz finden.

Als ich rein kam, war die erste Sängerin bereits auf der Bühne. Jennifer Nettles, von ihr kannte ich nur ein, zwei Lieder. Und hatte mich selbst gedisst, als ich beim Videogucken so dachte “puuhhh, so ganz jung ist die auch nimmer!”. Ja, Torsten, die Frau ist gerade mal zwei Jahre älter als du selbst… Autsch. Aber ordentliche Stimme und Performance, schön den Laden aufgeheizt, was ja bei zwei nachfolgenden Acts eine ziemlich undankbare Rolle ist. Danach kam auf einer kleinen Bühne am anderen Ende der Halle, quasi direkt vor meinem Sitzplatz, ein Nachwuchskünstler an die Reihe. Chase Bryant, nie gehört von ihm, und mit einer komischen Stimme. Nicht überzeugend. Chris Young im Anschluss war schon ein anderes Kaliber, allerdings mir ein bisschen zu träge und balladenlastig. Gut eine Stunde lang war sein Auftritt, eine Steigeirung gegenüber den 40 Minuten von Jennifer Nettles.
Die zweite Pause füllte dann CAM, ein junges Mädel, auch eine gute Leistung auf der kleinen Bühne. Und dann fieberte nach einer allgemeinen Pipi- und Bierpause alles auf die Hauptattraktion hin. Brad Pasley, Jahrgang 1972, sein erstes Album mit Ende 20 direkt Platin, zwei Singleauskopplungen auf Platz 1 der US-Countrycharts. Seitdem sind da noch sechzehn Charttopper und eine Gibson-Signature-Gitarre dazu gekommen. Also ein absolutes Schwergewicht in der Nashville-Szene. Sein Auftritt war der Hammer. Kann man nicht kleiner sagen.

Nur ein paar Highlights:

  • 24 Lieder gespielt laut Setlist, insgesamt rund eineinhalb Stunden auf der Bühne
  • statt nur Nutzung der Lightshow auch auf die Videowand voll genutzt, die meisten Lieder mit passenden Videos hinterlegt
  • mitten in der Show von der vorderen Bühne auf die kleine Bühne gewechselt, quer durch die Masse, und dann das ganze wieder zurück – und dabei weiter gesungen und Gitarre gespielt
  • zwei Duette mit anderen Künstlern (Chris Young und Chase Bryant)
  • Quatsch gemacht mit den Zuschauern, Selfies mit fremder Leute Mobiles – die werden nie wieder abgewischt…
  • Detail am Rande… er greift sich seine bespielte Gitarre und nen Edding, signiert die Klampfe… und reicht sie einen kleinen Mädchen in der ersten Reihe. Die hat vermutlich bis nach Hause den Mund nimmer zu gekriegt. Sein Kommentar nur: “Learn to play it.” Und dann: “So you create the next Taylor Swift!”

Die Rückfahrt war dann recht unspektakulär, bisschen Warten in West Ham, die beleuchtete Tower Bridge bestaunen und gegen halb eins ins Bett fallen. Unruhiger Schlaf und um kurz vor sieben war die Nacht vorbei. Na, das kann ja heiter werden. Frühstück ist so lala, ziemlich überfüllt und laut, normales englisches Büffet, bisschen Obst. Der Kaffee ist heiß. Genau wie die Dusche. Damit kann ich leben. Auf dem Weg zum Bus noch einen Stopp beim Supermarkt, trinken muss der Mensch.
Das Imperial War Museum ist ähnlich gemacht wie das in Calgary – große echte Exponate, Multimedia-Shows und sogar mit echten Zeitzeugen. Zumindest aus dem zweiten Weltkrieg. Insgesamt sehr ordentlich, viel Informationen, mal interessant, “die andere Seite” zu hören. Auch in England gab es Lebensmittelrationierung und Ersatznahrungsmittel. Und dass Krieg insgesamt einfach Sch…e ist, gut, das ist keine neue Information.

Nach einer Stärkung im museumseigenen Bistro (Hamburger, Süßkartoffelfritten und Wasser) und einem kurzen Schwenk über den Souvenirladen ging es wieder raus in die feindliche Umwelt. Hinüber zum Parlament lenkte Google Maps meine Schritte, über die Westminster Bridge (sehr hübsche Lampen) am Elizabeth Tower vorbei bis zum Stand der roten Busse für die Stadtrundfahrt. Unglaublich, was Menschmassen. Wenn auch vermutlich auf der ganzen Brücke kein einziger Londoner war…
Mit dem Bus durch die Stadt kutschiert zu werden, oben auf dem offenen Oberdeck, das ist jedes Mal eine tolle Sache. Vor allem, weil man überall aussteigen und wieder zusteigen kann. Buckingham Palace, Trafalgar Square, Parlament, London Eye, Tower, St. Pauls Cathedral, Westminster Abbey – ich hatte die ganz lange Tour gewählt, die “alles” abklappert. Von Trafalgar Square bis Green Park gelaufen. In erster Linie, weil ich ein wenig nach Souvenirs schauen wollte. Aber auch, weil ich dazwischen irgendwie keine Haltestelle des Busses gefunden habe. Aber so konnte ich ein bisschen im Gewühl untertauchen, an den Läden von Haymarket und Piccadilly vorbei. Schöne Auslagen. Doch dafür waren teilweise meine Kreditkarte und teilweise der Platz im Koffer zu klein, sonst kann man da richtig Geld ausgeben… und für den Tourinippes hab ich eh kein Geld mehr übrig.
Die letzte Hälfte der Bustour war schon im Dunkel der Nacht, am Palast vorbei und zurück zum Westminster Palace. Über die Brücke und am London Eye wieder vom Oberdeck runter klettern. Wurde jetzt auch schon ziemlich kühl da oben. Am Riesenrad angekommen stellte sich eine ganz andere Frage: WO IST DIE SCHLANGE?! Die Antwort war eher simpel – der Einlass ist ab 18 Uhr geschlossen. An einem Samstag Abend. Ich war also knapp eine halbe Stunde zu spät. Ironischerweise war das ungefähr die Zeitspanne, die ich am Green Park auf den Bus gewartet hatte. Enttäuscht zog ich weiter, vor der Abreise hatte ich in der Nähe noch einen Jazzclub mit Restaurant gefunden. Die nächste Pleite. Obwohl es noch nicht mal sieben war: “Heute komplett ausgebucht, ohne Reservierung keine Chance.” Ich hatte noch überlegt, zu reservieren, aber für welche Uhrzeit? Hatte ja keine Ahnung, wann ich mit dem Riesenrad durch gewesen wäre. Beim nächsten Mal…

Die U-Bahnstation hieß dann passenderweise “Waterloo”. Im Hotel gab es erstmal eine heiße Dusche, ein bisschen Aufräumen und dann noch ein kleines Abendessen im hoteleigenen Restaurant. Die Rechnung war saftiger als das Clubsandwich. Aber zwei Guinness und ein Single Malt ließen mich gut schlafen. Über vier Meilen Fußmarsch. Da braucht es keinen Fernseher zum Einschlafen…

Sonntag früh, Koffer fertig gemacht, Frühstück und noch ein paar Postkarten fertig geschrieben. Nach dem Check-Out ließ ich meinen Koffer im Hotel stehen und ging noch ein bisschen an der Themse spazieren. Auf den Tower hatte ich keine Lust mehr, wäre mir zeitlich vielleicht zu knapp geworden. Bisschen die HMS Belfast von außen anschauen, das Panorama aus Tower Bridge, Tower of London und Wolkenkratzern genießén und dann langsam Richtung Flughafen aufbrechen. Diesmal lief der Transfer deutlich besser, halbe Stunde bis Paddington und vierzig Minuten nach Abfahrt des Heathrow Express war ich schon durch die Sicherheitsprüfung.

Einschub: Ich hatte ja berichtet, dass ich in Frankfurt ohne Probleme durch die Röntgenkontrolle kam. Um so größer war meine Überraschung, als ich in London rausgewunken wurde. “You have scissors in your suitcase.” – “HÄÄÄÄHHH???” Wo die charmant lächelnde Beamte recht hatte, hatte sie recht. Die Schere war seit meinem Kanadaurlaub in meinem Kulturbeutel gewesen und ich hatte sie da schon lange vergessen. Rausgenommen, entsorgt, für die Sicherheitsbeamte war der Fall damit erledigt. Aber ich kam nicht darüber hinweg. In Frankfurt war mein Handgepäck auch durchleuchtet worden, die Schere war genau an derselben Stelle (XYZ-Koordinaten) im Koffer). Da kommt man schon ins Grübeln, ob der ganze Aufriss sich lohnt, immerhin ist FRA ja kein Miniflughafen irgendwo in der Dritten Welt, sondern hält sich für ein Premiumprodukt…

Der Rest ist schnell erzählt: warten aufs Boarding, dabei noch mit einem pakistanischen Flughafenangestellten eine Umfrage durch geackert. So verging wenigstens die Zeit, dann rein in den Flieger und ruckelfrei heim. Das Taxi bis zur Haustür war rumpeliger…

Fazit: Da will ich auf jeden Fall noch mal hin, eventuell vier statt zwei Nächte. Dafür vielleicht zwei Konzertabende? Und im Restaurant reservieren! Und genießen.

Links:

Worte verwirren

Freitag Abend habe ich ein Kompliment bekommen. Nun bin ich schon ein misstrauischer Mensch und glaube keine guten Worte. Dann kam das noch von einem Mann. Und Ausländer. Oh mein Gott?!

Du bist der sympathischste Deutsche, den ich kenne. Und ich kenne doch ein paar

Nun sitze ich hier und überlege, was das über mich aussagt. Oder doch über die anderen Deutschen, die er kennt. Ich hatte nie das Gefühl, sonderlich nett zu sein. Oder verständnisvoll. Oder was auch immer mit “sympathisch” noch zusammen gehören mag. Also müssen die anderen deutschen Bekannten noch arschiger sein als ich. Kaum vorstellbar.

Ich verstehe es nicht.